Gewebespende verbindet

Wie die Gewebespende die Lebenskreise zweier Menschen verbindet

In diesem Interview sprechen wir mit zwei Personen, deren Lebensweg über die zweite Ausgabe von „Wissen teilen – Leben retten!“ im Juni zusammengeführt wurde. Laura Nitsch, 38 Jahre alt, seit 2 Jahren nierentransplantiert nach über 14 Jahren Dialyse und zugleich Angehörige. Ihr Vater verstarb 2023 und sie und ihre Mutter stimmten einer Augenhornhautspende zu. Henning Bolle ist seit Oktober 2025 als Transplantationsbeauftragter für die Helios Kliniken des Clusters Niedersachsen-Nord zuständig und betreut sechs Entnahmekrankenhäuser in der Organ- und Gewebespende. Zuvor war er Organspendekoordinator bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Sowohl im Oktober 2024 als auch im Juni 2026 waren beide auf dem Podium von „Wissen teilen – Leben retten!“. Doch erst in diesem Jahr erfuhren beide von ihrer ganz persönlichen Verbindung zueinander. Im Juli haben wir uns mit beiden zu einem Interview in Lauras Heimat im Landkreis Gifhorn getroffen.

 

Auf Lauras Lieblingsbank sprechen Laura Nitsch und Henning Bolle über ihre ganz persönliche Verbidnung zur Gewebe- und Organspende.

Laura, du musstest dich schon früh mit dem Thema Organspende und -transplantation auseinandersetzen. Wie kam es dazu?

Laura: Ich habe ein seltenes Fehlbildungssyndrom, das unter anderem die Nieren betrifft. Die haben nach 21 Jahren ihre Funktion aufgegeben und dann war ich 14 Jahre lang an der Dialyse.

Wie sah dein Alltag vor der Transplantation aus?

Laura: Ich war abhängig von einer großen Maschine, die mein Blut von Giftstoffen gereinigt hat. Mein Leben war sehr eingeschränkt, weil ich nicht spontan sein konnte. Reisen war mit viel Aufwand und Organisation verbunden. Ich musste viele Medikamente nehmen und mich einschränken, was das Essen und Trinken betraf. Und überhaupt, das ganze Leben drehte sich beinahe nur um die Dialyse.

Dann kam im August 2024 ein ganz besonderer Anruf: „Laura, wir haben eine Niere für dich.“ Was hat dieser Anruf in dir ausgelöst?

Laura: Ich war traurig, angespannt, hatte große Angst, war aber auch dankbar und habe mich sehr gefreut, dass es jetzt endlich losgeht, ich von dieser Maschine abkomme und in ein neues Leben starten darf.

Wie sieht dein Leben heute aus?

Laura: Das Leben ist anders, ganz anders. Mein Leben ist heute unabhängiger. Medikamente muss ich immer noch nehmen, sogar mehr als vorher. Ich muss immer noch zu vielen Arztterminen. Ich bin in regelmäßiger Kontrolle und muss mein Blut regelmäßig testen lassen. Aber insgesamt ist alles viel entspannter als vorher. Ich habe jetzt sehr viel Freizeit, trotz der Arztbesuche. Ich verbringe viel Zeit mit meinen Hunden, mache einmal die Woche einen Spanischkurs, besuche meine Freundin oder sie kommt zu mir und wir puzzeln zusammen. Ich lese total gerne und jetzt steht demnächst ein Urlaub an. Wir fliegen jetzt das allererste Mal ohne Dialyse in den Urlaub. Darauf freuen wir uns schon sehr.