Internationale Projekte

Zwei neue Spendestandorte in Nord-Indien

Halbzeit im GIZ-Projekt der DGFG und des Dr. Shroff’s Charity Eye Hospitals

Anfang Juli war das Team des Dr. Shroff’s Charity Eye Hospitals, einer Augenklinik aus Neu-Delhi, für eine Woche zu Gast in Hannover – einem wichtigen Austauschtreffen des von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) geförderten Projekts aus dem Förderprogramm „Klinikpartnerschaften“. Rakhi Nathawat (2. v. l.), Projektmanagerin für das SCEH, und Dr. Manisha Acharya (1. v. r.), Augenärztin und ärztliche Leiterin der Hornhautbank des SCEH, sprachen über den Zwischenstand, besondere Herausforderungen im Projekt und den bereits erreichten Meilensteinen.

Rakhi: Als Projektmanagerin hier auf indischer Seite ist es meine Aufgabe, für das SCEH stets alle Prozesse in diesem Projekt bei uns in Indien im Blick zu behalten, Probleme frühzeitig zu erkennen und diese gemeinsam im Team und mit den Kolleg*innen aus Deutschland zu lösen. Die Hälfte der Projektlaufzeit ist bereits um. Zwölf spannende, intensive und vor allem lehrreiche Monate liegen hinter uns.

Was sind die Ziele dieses Förderprojekts?

Rakhi: Wir haben in dem Projekt zwei große Ziele: Das sind zum einen der Aufbau und die Inbetriebnahme zwei neuer Standorte für die Augenhornhautspende in der Region um Dheli. Der erste Spendestandort sollte im Januar starten, der zweite im Juni. Heute arbeiten bereits beide Standorte sehr erfolgreich. Wir konnten bis dato über 35 Augenhornhautspenden realisieren. Bis zum Projektende wollen wir 200 Spenden erreichen. Ich bin mir sicher, dass wir dieses Ziel übertreffen werden. Das Modell, das wir zusammen mit dem Team der DGFG für das SCEH entwickelt
haben, funktioniert ausgesprochen gut. Wir können uns sehr gut vorstellen, es auf weitere Standorte auszurollen. Es ermöglicht uns, die Augenhornhautspende in Nord-Indien auszubauen. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung eines Datenbanksystems, das alle Prozesse bündelt und digitalisiert, um möglichst effizient von der Spende bis hin zur Transplantatvermittlung arbeiten zu können.

Was waren wiederum besondere Herausforderungen im Projekt?

Rakhi: Während wir in dem Aufbau der beiden Spendestandorte sehr schnell und gut vorangekommen sind, haben wir über das Jahr gemerkt, dass die Entwicklung eines so komplexen Datenbank-Managementsystems sehr viel mehr Zeit in Anspruch nimmt, als wir ursprünglich erwartet hatten. Dieser Besuch jetzt war angedacht für Anfang Januar. Wegen COVID-19 mussten wir das Treffen verschieben. Aus diesem Grund haben wir nun für die zweite Hälfte dieses Projekts das Ziel, ein fundiertes Konzept für eine solche Datenbank auszuarbeiten. Mit diesem Konzept wollen wir uns im nächsten Schritt für eine weitere Förderung gemeinsam mit der DGFG bewerben. Denn die technische Entwicklung und Umsetzung muss auch finanziert werden können.

Welche Erkenntnisse gewinnt ihr durch diesen Besuch bei der DGFG in Hannover?

Rakhi: Wir haben von der DGFG sehr viel über den Umgang mit Entnahmekliniken gelernt und wie man sie in einem Spendenetzwerk mit einbindet. Wir haben Einblick in die Tätigkeit der Gewebespendekoordinator*innen sowie in die komplexe Vermittlungsarbeit erhalten. Auch aus dem Bereich Qualitätsmanagement haben wir viele Erkenntnisse für uns ziehen können.

Manisha: Virtuelle Meetings sind gut und wichtig. Doch sie ersetzen nicht das persönliche Treffen, Brainstormen, Kennenlernen und Erleben. Wir können dabei viel mehr ins Detail gehen, uns die Dinge viel besser ansehen, bewerten und beurteilen. Wir sind daher sehr froh über diese erneute Möglichkeit, sich persönlich zu sehen. Zuletzt war das Team der DGFG im September 2021 bei uns in Delhi.

Rakhi: Das Schöne an diesem Projekt ist auch, dass wir uns alle im Team sehr wohlfühlen. Dieser gewisse Komfort fördert die Ideenfindung und den offenen Austausch, was einen dazu befähigt, kreativ und produktiv zugleich zu sein.

Manisha: Ich bin durch das Projekt noch sehr viel sicherer in meiner Tätigkeit in der Augenhornhautbank geworden, da ich einfach durch das tiefe Eintauchen in die Thematik viele neue Erkenntnisse gewonnen habe. Von außen betrachtet, mögen einem die Prozesse und Strukturen des SCEH und der DGFG sehr unterschiedlich vorkommen. Doch je tiefer man in die Dinge hineinblickt und sie versteht, umso ähnlicher erscheinen sie einem und umso näher rückt man auch zusammen. Als ich 2020 zur EEBA damals nach Hannover gereist bin, habe ich sofort gemerkt: Wir ticken alle sehr ähnlich und haben viele Gemeinsamkeiten. Und schließlich sind Freundschaften daraus entstanden, was mich besonders freut.

Was möchtet ihr mit eurem Projekt noch erreichen?

Rakhi: Wir arbeiten auch an der Sichtbarkeit und der Wahrnehmung unseres Projekts. Denn wir wollen, dass auch andere von unseren Erfahrungen lernen können. Wir sind daher mit Vorträgen zu diesem Projekt auf verschiedenen internationalen Veranstaltungen aktiv. Im Oktober startet ein Webinar unter dem Titel „Der Spender von morgen“, das wir zusammen mit Eversight aus den USA und der DGFG konzipieren. Im November nehmen wir an der Jahrestagung der Südafrikanischen Gewebebankenvereinigung (SATiBA) teil, um im Rahmen eines Round Tables zum Aufbau von Gewebespende und Gewebebanken zu sprechen und darüber, wie man unsere Erfahrungen in afrikanischen Ländern adaptieren kann.

Dass dieser Austausch mehr als fruchtbar ist, darüber sind sich auch bei der DGFG alle einig. Die neuen Blickwinkel helfen dabei, eigene, fest etablierte Prozesse aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dabei fallen immer wieder Dinge auf, wo man nachschärfen und verbessern kann.