Das geht: Augenhornhautspende im Bestattungshaus oder Krematorium

14 Prozent der postmortalen Gewebespenden finden außerhalb von Kliniken statt

242 Augenhornhautspenden wurden 2018 in Bestattungshäusern von erfahrenen Koordinatorinnen und Koordinatoren durchgeführt. Weitere 145 Spenden fanden in Krematorien oder in Räumlichkeiten von Friedhöfen statt. Das ist möglich, da eine Augenhornhautspende ein vergleichsweise kleiner chirurgischer Eingriff ist, bei dem in der Regel die Hornhaut samt dem Augapfel entnommen wird.

In der Broschüre Die Augenhornhautspende finden Sie übersichtliche Informationen für Angehörige und an der Gewebespende Interessierte. Bestatter können diese Informationsbroschüre gerne auch in größerer Stückzahl gedruckt bestellen.

Auch das große Zeitfenster ermöglicht eine Entnahme außerhalb von Kliniken: Eine Augenhornhautspende kann noch bis zu 72 Stunden nach dem Herzstillstand durchgeführt werden. Angehörigen bleibt also Zeit die Entscheidung für oder wider eine Spende abzuwägen und im Kreis der Familie zu besprechen. Zur Seite stehen ihnen dabei Gewebespende Koordinatorinnen und Koordinatoren, die von 30 Standorten aus in Deutschland für die Gewebespende im Einsatz sind und ergebnisoffen über die Gewebespende informieren.

Angehörige können unter der kostenfreien 24h-Rufnummer 0800 511 5000 direkt Kontakt zur DGFG aufnehmen. Aber auch Bestatter, die im Trauerfall sowohl bei organisatorischen Entscheidungen, als auch im Umgang mit Trauer begleiten, können den Kontakt ebenfalls herstellen.

Kein Eingriff in die Bestattungsarbeit

Spenderinnen und Spender werden nach der Gewebeentnahme mit einer Glasprothese in der eigenen Augenfarbe versorgt. Das Lid wird geschlossen. Eine Aufbahrung und eine Abschiednahme am offenen Sarg sind ebenso möglich, wie die Durchführung religiöser Rituale.

Die Augenhornhautspende kann innerhalb einer halben Stunde durchgeführt werden und wird in enger Absprache mit dem Bestatter organisiert. Den Angehörigen entsteht kein Mehraufwand und es kommt zu keinen zeitlichen Verzögerungen.

Gewebespende schenkt Trost

Auf Wunsch erfahren Angehörige, ob eine Transplantation erfolgreich war. Transplantatempfängerinnen und -empfänger – genauso wie Gewebespenderinnen und -spender – bleiben dabei anonym.

Meiner Mutter und mir wurde schnell klar, dass mein Vater genau das gewollt hätte: anderen Menschen auch nach seinem Tod zu helfen.

Tochter eines Gewebespenders

Es freut uns, meine zwei Stiefkinder und mich, dass die Hornhäute zwei Menschen helfen konnten, die ja auch altersmäßig noch mitten im Leben stehen und bestimmt eine wesentliche Verbesserung ihres Lebens haben werden.

Ehemann einer Gewebespenderin

Bestattungshaus Zeitlos und DGFG klären auf

Möchte ich nach meinem Tod Gewebe spenden? ist eine Frage, die sich jeder zu Lebzeiten stellen sollte. Bestatter können im Rahmen der Bestattungsvorsorge mit Informationen zur Gewebespende diese Frage anregen.

Für die DGFG sind Bestatter wichtige Partner bei der Durchführung der Gewebespende außerhalb von Kliniken und in der Aufklärungsarbeit. Ein schönes Beispiel: Am 28. und 29. Juni fand in Herford das Hoeker Fest statt. Ebenfalls mit einem Infostand vertreten war das Bestattungshaus Zeitlos. Gemeinsam mit DGFG-Koordinatorin Anna Wiesner aus Dortmund klärten sie die Besucherinnen und Besucher des Stadtfestes zum Thema Bestattung und Gewebespende auf.

In Deutschland benötigen viel mehr Patienten Gewebetransplantate als aktuell zur Verfügung stehen, darum bemühen wir uns, den Letzten Willen von Verstorbenen mit einem Spendewunsch zu erkennen und umzusetzen.

Cornelius BrüngerInhaber des Bestattungshaus Zeitlos Herford