Gewebespende rettet Augenlicht

Albanischer Familie kann mit Hornhauttransplantation in Deutschland erneut geholfen werden.

Bocholt/Hannover 18.08.2021Am 17. August 2021 transplantierten Dr. Martin Dörner und Dr. Friederike Dörner, Augenärzte aus Bocholt, Hiqmet Murati eine Augenhornhaut. Aufgrund einer schweren, erblich bedingten Augenerkrankung konnte Hiqmet (54 Jahre) nur noch Handbewegungen wahrnehmen. Bei der sogenannten granulären Hornhautdystrophie manifestieren sich über die Zeit immer mehr Ablagerungen im zentralen Hornhautstroma, was zu Schmerzen und erheblichen Sehbehinderungen führen kann. Ohne medizinischen Eingriff würde Hiqmet irgendwann aufgrund einer vollkommen trüben Hornhaut erblinden. Die Transplantation einer Augenhornhaut aus der Gewebespende ist für ihn die letzte und einzige Möglichkeit, seine Sehfähigkeit zu retten. Dr. Dörner ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Die Operation ist wunderbar verlaufen, die Hornhaut ist klar geblieben.”

Dr. Friederike Dörner, Patient Hiqmet Murati und Dr. Martin Dörner (v.l.n.r.) vor der Hornhauttransplantation in der Augenarztpraxis in Bocholt.

Bereits vor vier Jahren wurde Hiqmets Bruder Jetmir erfolgreich in der Bocholter Augenarztpraxis behandelt: Auch Jetmir litt unter einer Form der erblich bedingten Hornhautdystrophie. 2017 erhielt er die erste Hornhauttransplantation. 2019 war dann das zweite Auge dran. Beide Operationen waren ein voller Erfolg. Nun soll auch Hiqmet mit einer Spenderhornhaut aus der altruistischen Gewebespende wieder zu klarem Sehen verholfen werden. Seit seinem 18. Lebensjahr hatte er mit einer zunehmenden Sehverschlechterung zu kämpfen. Organisiert wurden alle drei Operationen von Simone Henzler vom Deutschen Blindenhilfswerk (DBHW), die sich für das Spendergewebe an die Vermittlungsstelle der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) gewandt hat. „Wir freuen uns, dass die DGFG auch in diesem Fall wenige Wochen später eine passende Spenderhornhaut finden und somit inzwischen sogar beide Brüder aus Albanien so gut versorgen konnte. In ihrem Heimatland wäre dies nicht möglich gewesen, daher hat sich die Familie an das DBHW gewandt“, sagt Simone Henzler, Projektleiterin des DBHW aus Duisburg.

Wie alles begann: eine tragische Geschichte mit Happy End

2017 wendeten sich zwei Bürgerinnen aus der Wingst an das DBHW, um Jetmir Murati, Vater von vier Kindern, mit seiner schweren Augenerkrankung zu helfen. Dem albanischen Familienvater konnte nur noch eine Hornhauttransplantation das Augenlicht retten. Nachdem der Asyl-Antrag abgelehnt wurde, musste die Familie 2017 von der Wingst zurück nach Albanien ziehen, wo eine solche medizinische Versorgung nicht möglich gewesen wäre. Kurz vor Weihnachten 2017 erhielt Jetmir Murati bereits die erste Spenderhornhaut, die die DGFG anhand ihrer bundeseinheitlichen Warteliste für die Transplantation zur Verfügung stellen konnte. Schon kurz nach der OP konnte er damals bereits die Uhrzeit auf der Armbanduhr von Dr. Dörner ablesen. „Familie Murati ist wirklich ein gutes Beispiel für erfolgreiche Blindheitsverhütung: Ich bin mir sicher, dass auch Hiqmet bald wieder sehr gut sehen und das Leben mit all seinen bunte Facetten voll wahrnehmen kann“, sagt Simone Henzler. Irgendwann soll auch sein zweites Auge mit einer Spenderhornhaut versorgt werden.

Fast jeder Verstorbene kann Gewebe spenden

Voraussetzung einer jeden Hornhauttransplantation ist die Gewebespende, in diesem Fall die Spende der Augenhornhäute nach dem Tod. Die Gewebespende ist ein Akt der Hilfe und der Nächstenliebe: Jeder Mensch kann sich zu Lebzeiten für oder gegen eine Gewebespende entscheiden. Auch die Angehörigen können im Sinne der Verstorbenen einer Gewebespende zustimmen. Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben Augenhornhäuten auch Herzklappen, Blutgefäße, Knochen, Sehnen, Bänder und Haut. Die Hirntoddiagnostik spielt bei der Gewebespende keine Rolle. Neun von zehn Gewebespenden stammen von Menschen, die eines ganz normalen Todes gestorben sind. Auch Krebserkrankungen oder ein hohes Lebensalter sind kein Ausschlussgrund. Eine Augenhornhautspende ist noch bis zu 72 Stunden nach Todeseintritt möglich.

Zum DBHW

Das Deutsche Blindenhilfswerk (DBHW) leistet weltweit einen Beitrag zur Reduzierung vermeidbarer Blindheit: Durch den Bau von Augenkliniken, die Ausstattung von Gesundheitsstationen oder die Ausbildung von Fachpersonal. Außerdem unterstützt die Organisation die Bildung und Förderung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher in Entwicklungsländer. In Deutschland setzt sich das DBHW für gesellschaftliche Teilhabe im kulturellen und sportlichen Bereich ein.

Zur DGFG

Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg.

Kristin Kleinhoff

Kristin Kleinhoff

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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