Gewebespende am Klinikum Oldenburg

Pflegerischer Transplantationsbeauftragter (TxB) Markus Gerke

Markus Gerke blickt auf knapp 20 Jahre Erfahrung im Bereich der Organspende zurück. Im Gespräch berichtet er über den Wandel seines Aufgabenfeldes, die Bedeutung von Netzwerken und die Zusammenarbeit mit der DGFG am Klinikum Oldenburg.

Was hat Sie dazu bewegt, die Aufgaben als TxB zu übernehmen?

Ich wurde vor knapp 20 Jahren gefragt, ob ich den damaligen ärztlichen TxB unterstützen möchte. Hier stand ich noch am Anfang meiner Karriere und habe die Aufgabe gerne angenommen. Anfangs war vieles neu, aber ich merkte schnell: Das ist ein Feld, in dem man richtig was bewegen kann. Es bietet viel Abwechslung, ist manchmal herausfordernd, aber macht auch viel Freude – besonders, wenn man sich im Nachgang mit Transplantierten unterhält und sieht, wofür man diese Arbeit macht.

Was ist Ihre Aufgabe als TxB im Bereich der Gewebespende und was hat Sie persönlich dazu bewegt dieser Aufgabe nachzugehen?

Ich trage die Verantwortung dafür, dass keine potenziellen Organspender:innen übersehen werden – das umfasst sowohl die Erfassung aller möglichen Fälle als auch die Bewertung, ob verstorbene Personen als Organspender:innen infrage kommen. Darüber hinaus schule ich das Klinikpersonal, führe interne und externe Fortbildungen für die Öffentlichkeit durch und bin Ansprechpartner für das Klinikum Oldenburg. Ich begleite Angehörige während des Prozesses und bin für das Qualitätsmanagement sowie die Datenerhebung verantwortlich. 

Das ist ein langer Zeitraum, in dem sich sicherlich viele Prozesse über die Jahre geändert haben, oder?

Bis 2019 lief vieles über persönliches Engagement in der Freizeit, da es kaum Freistellungen durch die Klinik gab. Seit den gesetzlichen Änderungen 2019 gibt es glücklicherweise die offizielle Freistellung für Beauftragte. Seither kann man das Thema deutlich intensiver im Klinikalltag integrieren. 

Insbesondere, wenn man sich im Nachgang mit Transplantierten unterhält, weiß man, wofür man es macht.

Martin Müller, Gewebespendekoordinator am Spendestandort Oldenburg

Markus Gerke, Fachkraft für Intensiv -und Anästhesiepflege und pflegerischer TxB (mitte) zusammen mit den beiden Gewebespendekoordinatorinnen Silja Bunjes (links) und Nicole Schidlowski (rechts)

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der DGFG am Klinikum Oldenburg ab? 

Die Zusammenarbeit läuft hervorragend. Wir haben hier kurze Dienstwege, was vieles leichter macht. In einem Organspendeprozess kontaktieren wir die DGFG, weil es z.B. neben der Zustimmung zur Organ- auch eine Zustimmung zur Gewebespende gibt. Falls wir eine Ablehnung zur Organ- und Gewebespende erhalten, geben wir diese Information direkt an die DGFG-Koordinatorinnen weiter, um eine doppelte Anfrage bei den Angehörigen zu vermeiden. Dieser regelmäßige Austausch ist ein großes Benefit für alle Beteiligten. 

Sie engagieren sich stark im „Netzwerk der Transplantationsbeauftragten Region Nord e. V.“. Wie kam es dazu? 

Als TxB ist man in seiner Klinik häufig ein Einzelkämpfer. Deshalb haben wir vor vielen Jahren ein Netzwerk gegründet, um Kollegen und Kolleginnen aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen zusammenzubringen. 2019 gründeten wir daraus einen Verein, der mittlerweile mit über 100 Mitgliedskliniken das größte Netzwerk dieser Art in Deutschland ist. Wir geben neuen Kolleg:innen Hilfestellung und haben Tools wie das Peer-Review-Verfahren zur Qualitätssteigerung etabliert. Hierbei wird die bestehende Prozess- und Ergebnisqualität begutachtet und im Anschluss in einem Fachgespräch besprochen. 

Netzwerk der Transplantationsbeauftragten Region NORD e.V.: Seit 2014 besteht das Netzwerk der Transplantationsbeauftragten in der Region Nord. Es ist mit über 140 Mitgliedern das größte dieser Art in Deutschland. Im Dezember 2019 hat es sich in Hamburg als Verein formiert und wurde kurz danach als e.V. fortgeführt. 

Martin Müller, Gewebespendekoordinator am Spendestandort Oldenburg

Die Gewebespende ist in der Bevölkerung ein Randthema.

Der Unterschied zur Organspende ist vielen nicht geläufig.

Hier ist kontinuierliche Aufklärungsarbeit nötig.”

– Markus Gerke