Wie sieht dein klassischer Arbeitsalltag am Klinikum aus?
Schidlowski: Unser klassischer Arbeitsalltag beginnt mit der Sichtung der Verstorbenenmeldungen. Dabei prüfen wir, wer medizinisch für eine Gewebespende infrage kommt und ob bereits eine Willensäußerung existiert. Liegt keine Zustimmung oder Ablehnung vor, führen wir Gespräche mit den Angehörigen, um den mutmaßlichen Willen zu klären. Im Anschluss erfolgt dann die Gewebespende.
Bunjes: Klassisch ist an unserem Arbeitsalltag eigentlich nur, dass man morgens ins Büro kommt und zuerst prüft, welche Fälle vorliegen oder ob es überhaupt Fälle gibt. Alles andere ist ehrlich gesagt nie wirklich „klassisch“. Kein Fall ist wie der andere, es gibt immer neue Situationen, andere Krankheitsbilder oder Kombinationen, dadurch sieht jeder Tag anders aus. Natürlich findet die Entnahme nach festen Abläufen statt, aber selbst da kann immer mal etwas passieren, das nicht ganz nach Schema läuft. Genau das macht die Arbeit aber auch spannend, man weiß morgens nie genau, was einen erwartet.
Wie ist es bei euch mit den Telefonaten? Es sind ja keine einfachen Gespräche. Hat sich da inzwischen eine Art Routine entwickelt?
Bunjes: Eine gewisse Routine besteht darin, dass man weiß, was das Ziel des Anrufs ist. Da man jedoch nie vorhersagen kann, welche Reaktion man von der Gegenseite erhält, wird es nie zur reinen Routine. Mir hilft es jedoch sehr, dass ich bereits im vorherigen Berufsalltag viele Gespräche mit Patienten, Patientinnen und Angehörigen geführt habe. Da ich an solche Situationen gewöhnt bin und sie bereits geübt habe, fiel mir dieser Teil nie besonders schwer. Man muss sich auf das Gegenüber einstellen und wahrnehmen, was die Situation erfordert. Wenn jemand eher wortkarg ist, sei es situationsbedingt oder aufgrund der Persönlichkeit, respektiere ich das und gehe natürlich darauf ein.
Schidlowski: Ich habe keine direkte Routine. Wenn ich in das Angehörigengespräch starte, gehe ich einfach empathisch in das Gespräch. Ich schaue mir natürlich den Fall vorher an und höre eigentlich nach den ersten zwei, drei Sätzen wie es dem oder der Angehörigen geht und merke dabei, wie man das Gespräch jetzt am besten führen kann. Zum einen kann es sehr vorsichtig sein, weil die Angehörigen gerade sehr viel fühlen. Oder man merkt, dass der oder die Angehörige das Ganze schon ziemlich gut verarbeitet hat und die Fragen rationaler beantwortet. Manche Menschen sind etwas offener und andere nicht unbedingt.
Die Reaktionen auf unsere Anrufe sind im Allgemeinen aber überwiegend positiv. Wir klären über die Gewebespende auf und lassen selbstverständlich Raum für eine eigene Entscheidung. Viele empfinden es als tröstlich, dass der oder die Verstorbene noch etwas Gutes tun kann.