Mitarbeiter im Portrait – Kerstin Bruhns von der Kornea- und Gewebebank Schwerin

Kerstin Bruhns (MTLA) arbeitet in der Kornea- und Gewebebank Schwerin, Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist neben der Aufbereitung der Gewebespenden im Labor auch für die Optimierung der Prozesse in der Gewebebank zuständig.

Wie sieht dein Alltag in der Kornea- und Gewebebank Schwerin aus?

Ich arbeite in der Kornea- und Gewebebank Schwerin in Zusammenarbeit mit der DGFG. Alles, was wir an Spenden bekommen, teilen wir der DGFG mit, die wiederum die Verteilung der Gewebetransplantate zentral koordiniert. Der Vorteil: Man kann sich darauf verlassen, dass der Patient seine Hornhaut bekommt. Bei Zwischenfällen sorgt die DGFG für Ersatz. Ohne die DGFG kann der Spendeprozess nicht so gut und effektiv funktionieren.

Seit wann arbeitest du in der Gewebebank?

Unsere Gewebebank wurde 2006 gegründet. Seitdem arbeite ich auch schon hier. 2009 bin ich dann zu 100 Prozent als Mitarbeiterin in die Kornea- und Gewebebank Schwerin eingestiegen.

Wie bist du zur Gewebebank gekommen?

Mein eigentlicher Beruf ist MTLA (Medizinisch-Technische Laboratoriumsassistentin). Ich arbeitete in Schwerin schon fast 30 Jahre im Labor, bis Prof. Wilhelm als neuer Chefarzt der Augenklinik in Schwerin anfing und die dritte Hornhautbank in Mecklenburg-Vorpommern aufbaute. Der einzige Reinraum, der zur Verfügung stand, befand sich in der Transfusionsmedizin, wo ich zu dem Zeitpunkt gearbeitet habe. Er konnte zur Benutzung für die Gewebebank freigegeben werden. Bei der Frage nach dem Personal zeigten sich wegen der Augenpräparation bei vielen Kollegen Berührungsängste. Dann habe ich aber gesagt: „Ok, mach ich!“ Mit der Unterstützung von Prof. Wilhelm haben wir ganz langsam angefangen. Im März 2006 wurde die Gewebebank eröffnet. Im Juni 2006 kam die erste Spende.

Was treibt dich in deiner Arbeit an?

Der Erfolg. Nicht der Erfolg, dass ich Hornhäute vergebe, sondern der Erfolg, dass Patienten durch eine Hornhauttransplantation wieder sehen können. Durch Prof. Wilhelm und Dr. Negraszus arbeiten wir hautnah mit Patienten zusammen und betreuen sie während des Wartens auf ihre Transplantation.

“Sie sind Frau Bruhns? Ich kann Sie sehen!”

Einmal wurde ich nach einer Operation in die Ambulanz gerufen. Ein  Patient sagte zu mir: “Sie sind Frau Bruhns? Ich kann Sie sehen!” Durch die Hornhaut, die man aufbereitet und über die DGFG vermittelt hat, konnte ein Mensch sein Augenlicht zurückgewinnen. Das ist der Erfolg, wo man sagt: „Super!“ Es klopfen heute immer noch Patienten an die Tür, um zu zeigen, dass sie immer noch gut sehen können.

Was macht Schwerin so lebenswert?

Ich bin in Schwerin geboren, habe dort gelernt und fast 30 Jahre in der Klinik gearbeitet. Wenn auch mit anderen Tätigkeiten, aber immer Schwerin. Meine Familie und Freunde sind hier. Dass ich jetzt auch noch so einen Job habe, das ist es!

Welcher Beschäftigung gehst du in deiner Freizeit am liebsten nach?

Ich laufe und jogge gerne und habe ein Wochenendgrundstück, wo ich mich beschäftigen kann. Ansonsten Ruhe, einfach Ruhe. Ich habe mittlerweile zwei Enkel,  die mit der Augenbank groß geworden sind. Ich habe einmal in der Woche meinen Oma-Opa-Tag und dann ist es egal, wenn man am nächsten Tag eine Stunde später kommt, weil die Jungs in Ruhe zum Kindergarten gebracht werden. Dass man Arbeit und Privates so kombinieren kann, das ist gut.

Mit welchen Worten würdest du einemKind die Hornhautspende beschreiben?

Mein großer Enkel (6 Jahre) hat mich gefragt: „Oma, was machst du eigentlich in der Klinik?“ „Oma passt auf, dass die Leute immer ein heiles Auge haben.“ Man kann Kindern ja nicht erzählen, dass man von einem Verstorbenen das Auge nimmt. Aber man kann ihnen erklären: „Man muss ganz doll auf sein Auge aufpassen, gerade bei irgendwelchen Spielereien. Aber wenn es dann doch passiert, dann kann Oma dafür sorgen, dass eine neue Scheibe auf das Auge operiert wird, damit man wieder besser gucken kann. Und alte Leute, die brauchen sich nicht verletzen, da ist das Auge eben alt. Wenn die dann nicht mehr gucken können, dann können die auch noch eine neue Scheibe aufs Auge bekommen.“ „Ach so, dann bist du also ein Augenarzt?“ „Nein. Oma ist kein Augenarzt, Oma arbeitet mit einem Augenarzt zusammen.“ Das hat er dann auch verstanden.

Wir bedanken uns für das Gespräch, das wir im Sommer 2016 geführt haben.

Kerstin Bruhns (re.) und ihre Kollegin Ilona Tank beurteilen in der Gewebebank das Zellbild einer Augenhornhaut.